Warum Deutsche zunehmend zu Hause arbeiten

Leah Wiedenmann
May 8, 2017

Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Consulting cum laude unter 250 Studenten und 1.000 Professionals hat ergeben, dass sich beinahe 60 Prozent der Befragten vorstellen können, die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause zu verbringen. Das Home Office ist nach wie vor beliebt, schließlich bietet es auf den ersten Blick viele Freiheiten. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Arbeitnehmer in Deutschland zum Arbeiten zu Hause stehen.

Warum Deutsche zunehmend zu Hause arbeiten

Home Office – Chancen und Risiken

Mal eben zwischendurch Einkäufe erledigen, Arzttermine wahrnehmen oder die Kinderbetreuung flexibel organisieren – das sind einige Vorteile des Home Office. Zudem können bei der Arbeit zu Hause auch Zeiten mit geringerer Arbeitsbelastung sinnvoll genutzt werden, da keine Anwesenheitspflicht im Unternehmen herrscht. Flexible Zeiteinteilung und ortsunabhängiges Arbeiten wirken zeitgemäß, wie gemacht für die Arbeit 4.0. Dank der Digitalisierung spielt es eine immer geringere Rolle, an welchem Ort die Menschen arbeiten, ob im Büro oder am Strand – vorausgesetzt, es gibt dort ausreichend schnelles Internet.

Kritiker des Home Office bemängeln allerdings eine geringere Produktivität. Die rühre von zu viel Ablenkung her – Prokrastination lautet der viel zitierte Fachbegriff. Der US-amerikanische IT-Konzern IBM, einst Vorreiter in Sachen Home Office, hat das Arbeiten zu Hause jüngst wieder abgeschafft. Menschen, die Schulter an Schulter arbeiten, seien innovativer und kreativer, lautet die Begründung.

Versand-Riese Amazon hingegen beschreitet aktuell den umgekehrten Weg in den Vereinigten Staaten: Wie das Unternehmen vor kurzem bekannt gab, will es für den virtuellen Kundenservice aktuell 30.000 neue Mitarbeiter in Teilzeit einstellen – und 5.000 davon sollen als Home-Office-Jobs organisiert werden. Amazon begründet diesen Schritt damit, dass viele Menschen, etwa Studenten oder Eltern, einen flexiblen Arbeitsplatz benötigen. Ob für Deutschland ähnliche Pläne existieren, ist bislang nicht bekannt.

Home Office in Deutschland - Zunehmend gewünscht, kein Rechtsanspruch

In den USA bauen die einen das Home Office ab, die anderen schaffen neue Stellen dieser Art. Unterdessen ist hierzulande das Arbeiten zu Hause im Kommen: Einer Bitkom-Studie zufolge bietet ein Drittel der Unternehmen bereits Home Office an. Und beinahe die Hälfte erwartet, dass der Anteil der Mitarbeiter im Home Office in den nächsten fünf bis zehn Jahren steigen wird.

Die häufigsten Argumente gegen das Arbeiten in den eigenen vier Wänden sind die Ungleichbehandlung der Mitarbeiter, die geringere Produktivität sowie gesetzliche Regelungen, die das Home Office verhindern. Aus Arbeitnehmersicht spricht für eine flexible Arbeitsorganisation vor allem, dass dadurch Anfahrtszeiten entfallen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einfacher ist. Arbeitgeber sparen sich einen Teil der fixen Bürokosten. Außerdem steigern sie Loyalität und Motivation ihrer Mitarbeiter.

Übrigens: Arbeitnehmer in Deutschland haben, anders als bei Teilzeitregelungen, keinen gesetzlichen Anspruch auf das Arbeiten im Home Office. Wer diese Arbeitsform gerne ganz oder zum Teil in Anspruch nehmen möchte, muss dies daher immer mit dem Vorgesetzten absprechen.

Flexibilität als Führungsaufgabe

Besonders wichtig im Home Office ist es, für sich persönlich einen guten, gesunden Arbeitsrhythmus zu finden. Dies ist offenbar gar nicht so einfach: Denn ein Drittel der Arbeitnehmer gibt an, auch am Wochenende und nach Feierabend geschäftliche E-Mails zu lesen. Und fast die Hälfte ist telefonisch jederzeit erreichbar.

Flexible Modelle wie Home Office, Teilzeitarbeit und Sabbaticals stellen nicht zuletzt Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Denn in der Arbeitswelt der Zukunft ist das Arbeitsergebnis viel wichtiger als die persönliche Anwesenheit.