500 Jahre Reformation – Wäre Martin Luther heute Influencer?

Paul Hofmann
31.10.2017

Leben wir in einer Zeit, in der mehr passiert als zu anderen Zeiten?

Als Martin Luther die Geschlossenheit der römisch-katholischen Welt aufbrach, lebte er in turbulenten Zeiten. Das lässt sich mit einem halben Jahrtausend Abstand ganz sicher sagen – am Dienstag jährt sich die Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers zum 500. Mal.

Luther war nicht der erste Reformator der römisch-katholischen Kirche. Er wurde durch die meisterhafte Nutzung des neuen Mediums Buchdruck aber zum wirkungsvollsten. Heute würde man Luther wohl einen Influencer nennen: Martin Luther Superstar.


Das Netz macht jeden von uns zu seinem eigenen Verleger


Würde Luther heute leben, er wäre Zeuge ungleich wuchtigeren technologischen Zeitenwende: Digitalisierung und Vernetzung sind dabei, unsere Gesellschaft zu revolutionieren. Ihre Auswirkungen werden sich dabei – ähnlich wie die der Druckerpresse im 15. Jahrhundert – erst in einigen Jahren vollends klären lassen.

Fakt ist: Sie werden tiefgreifend sein. Denn es geht der digitalen Gesellschaft nicht mehr einzig um Vervielfältigung, sondern um Vielfalt, um Beziehungen und Interaktionen, um ein Netzwerk aus Netzwerken. Darin wird ein protestantischer Kerngedanke technisch verankert: das Priestertum aller. Das Netz macht jeden von uns zu seinem eigenen Verleger.


»Unser Luther ist vermutlich noch gar nicht geboren«

Jeff Jarvis


Angesichts dieser Möglichkeiten suchen wir nach Reformatoren vom Schlage Luthers. Manche denken da an Tim Berners-Lee, den Erfinder des WWW, also eine Art Johannes Gutenberg der Neuzeit, andere an Steve Jobs.

Wie aber Jeff Jarvis vor einiger Zeit feststellte, ist "unser Luther vermutlich noch gar nicht geboren".

Bis er da ist, trösten wir uns mit Luther-Duplikaten: Wie die evangelische Kirche dieses Jahr meldete, ist Martin Luther mit über einer Million verkauften Exemplaren die erfolgreichste Playmobil-Figur aller Zeiten!



+++ Dieser Text erschien zuerst in unserem zweiwöchentlichen Newsletter. Auf der linken Seite des Blogposts könnt ihr ihn abonnieren. 👍





Foto: CC/pixabay/Tobias Albers-Heinemann