Neuausrichtung der eigenen Karriere: Stefan Bergstein im Interview

Leah Wiedenmann
Mar 30, 2017

Stefan Bergstein ist seit 25 Jahren als Softwareentwickler tätig. Der Hamburger ist Chief Software Architect bei Hewlett Packard Enterprise in Stuttgart, Vater von zwei Kindern und seit 2016 auch Nanodegree-Absolvent. Schon in seiner Studienzeit interessierte sich Stefan für neuronale Netze, hatte sie aber nicht in seinem beruflichen Alltag angewandt. Seit Abschluss seines Nanodegree-Programms bringt er seine neuen Kenntnisse in seine beruflichen Innovationsprojekten direkt ein. Ein Interview mit Stefan Bergstein.

Stefan Bergstein, Nanodegree-Absolvent und Chief Software Architect bei Hewlett Packard Stefan Bergstein, Nanodegree-Absolvent und Chief Software Architect bei Hewlett Packard Enterprise

Udacity: Hi Stefan - schön, dass du da bist. Könntest du dich kurz vorstellen?

Stefan Bergstein: Mein Name ist Stefan Bergstein, ich wohne und arbeite in der Nähe von Stuttgart und bin seit ca. 25 Jahren in der Softwareentwicklung unterwegs. Derzeit arbeite ich bei Hewlett Packard Enterprise als Chief Software Architect für den Produktbereich Data Center Automation und Hybrid Cloud.

U: Was hat dich dazu bewegt, nach dem Fachabitur Informatik zu studieren?

SB: Ich bin über Begeisterung an der Elektronik an die Informatik gekommen. Das war eher klassisch. Mit 14 Jahren der erste Elektronik-Baukasten, dann ein programmierbarer Handheld-Computer mit den ersten Schritten in Basic und Assembler. In meinem ersten Job Ende der 80er Jahre habe ich Steuerung für Industrieanlagen programmiert. Es hat mich fasziniert, wie schnell ich in dieser Branche Kundenanforderungen erfüllen und übertreffen kann. Diesen Weg wollte ich weiter gehen und habe technische Informatik studiert.

U: Wie hat sich die Informatik-Landschaft seitdem verändert?

SB: Die Schnelllebigkeit und ständige Veränderung der Informatik-Landschaft ist eigentlich schon immer da gewesen. Dies macht die Informatik auch so interessant. Die großen Veränderungen wie zum Beispiel das Internet, Mobility und Cyber-Crime prägen die Aufgaben und Herausforderungen eines Software Entwicklers. Der Open-Source Trend gehört sicher auch zu den wichtigen und interessanten Veränderungen, weil man recht einfach in einer Community teilnehmen kann. Den einsamen Software Entwickler, der für sich alleine 'dahinprogrammiert', sollte es nicht mehr geben.

U: Was ist deiner Meinung nach ein weit verbreiteter Irrglaube des Informatiker-Daseins? Oder gibt es mehrere?

SB: Viele Menschen denken wohl noch immer, dass Informatik entweder sehr theoretisch ist oder man nur Programmieraufgaben vorgesetzt bekommt. Dabei steht vielmehr die Kommunikation mit Kunden und Kollegen im Vordergrund. Wenn man Glück hat und möchte, arbeitet man in einem globalen Team mit Peers und Partnern in der ganzen Welt.

U: Warum hast du dich (trotz deines beruflichen Erfolgs) für Udacity entschieden?

SB: Ich hatte mich schon während meiner Studienzeit für neuronale Netze und Fuzzy-Logic interessiert aber nie in meinem beruflichen Alltag angewandt. Das Google self-driving Car Project hat mich inspiriert wieder in das Thema Machine-Learning einzusteigen. Viele Software Anwendungen werden in Zukunft durch den Einsatz von Machine-Learning geprägt. Dies wird sehr viel weiter gehen als Bilderkennung und Snapchat Filter. Ausschlaggebend für Udacity war der Inhalt des Machine-Learning Nanodegrees und die flexible Zeiteinteilung.

U: Wie wendest du deine neuen Machine-Learning-Kenntnisse als Chief Software Architect bei Hewlett Packard Enterprise jetzt an?

SB: Ich kann meine Machine-Learning Kenntnisse in einigen Innovationsprojekten direkt einbringen. Es geht dabei hauptsächlich um automatische Arbeitserleichterung für unsere Anwender und um die frühzeitige Erkennung von Ausfällen im IT Data Center.

U: Wie sieht die Softwareentwicklung in Deutschland in zehn Jahren aus?

SB: Meiner Einschätzung nach wird Standardsoftware in Zukunft mehr und mehr in Low-Cost Ländern entwickelt. Einen Bedarf für spezielle Software für den lokalen Markt wird es natürlich weiterhin geben. Eine große Chance liegt im Bereich Robotics. Nicht nur für die Industrie wie zum Beispiel bei der Fahrzeugherstellung, sondern gerade auch im Servicebereich. Globale Player werden die besten Chancen haben.

U: Was waren für dich die größten Vor- und Nachteile des Online Lernens?

SB: Die Zeiteinteilung ist der größte Vorteil für mich. Mein Machine-Learning Nanodegree konnte ich sehr schnell absolvieren, da ich mir Zeit neben Beruf und Familie freimachen konnte. Beim Online Lernen kann ich auch einen Kurs ohne weiteres überspringen oder canceln, wenn mir der Inhalt persönlich nicht so zusagt.

Stefan in seinem Home-OfficeStefan in seinem Home-Office

U: Was würdest du angehenden Softwareentwicklern besonders ans Herz legen?

SB: Ein eigenes Interesse und eigene Initiative an der technologischen Entwicklung ist in der Software-Branche besonders wichtig. Persönliche Weiterentwicklung ist keine Sache, die nur von deinem Arbeitgeber vorgegeben werden sollte. Der Beruf des Softwareentwicklers macht am meisten Spaß, wenn man technologische Trends nicht nur folgt, sondern mit entwickelt. Dies liegt oft in der eigenen Hand.

U: Vielen Dank, Stefan. Gibt es Sonst noch etwas, dass wir wissen sollten?

SB: Online Lernen wird häufig in einem Kontext für einen guten Karrierestart vermarktet. Ich kann Softwareentwicklern meiner Generation Online Lernen ans Herz legen. Nicht nur um aktuelle Technologie-Trends zu vertiefen, sondern auch für eine eventuelle Neuausrichtung der eigenen Karriere.

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