Industrie 4.0 für KMU – Wie der Schritt in die Zukunft gelingt

Nicolas Dittberner
May 23, 2017

Der Mittelstand ist in Deutschland traditionell stark. Insbesondere unter den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind einige Hidden Champions, also hochspezialisierte, global sehr erfolgreiche Firmen. Allerdings bringt die Digitalisierung einen Transformationsprozess mit sich, auf den sich Unternehmen aller Branchen einstellen müssen. Kleine und mittlere Unternehmen stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Wie kann der Schritt zur Industrie 4.0 in KMU gelingen?

Industrie 4.0 für KMU – Wie der Schritt in die Zukunft gelingt

Die Digitalisierung der Industrie schreitet voran

Der Begriff „Industrie 4.0“ beschreibt die Vernetzung der traditionellen industriellen Produktion mit neuen Informations- und Kommunikationssystemen. Manche Wissenschaftler beschreiben diesen Prozess gar als „vierte industrielle Revolution“, analog zur ersten industriellen Revolution durch die Erfindung der Dampfmaschine am Ende des 18. Jahrhunderts. Ob dies gerechtfertigt ist, wird sich erst rückblickend beurteilen lassen. Fest steht jedoch: Die Verknüpfung von Maschinen, Geräten, Sensoren und Menschen über das „Internet der Dinge“ hat einen tief greifenden Wandel der Produktions- und Arbeitswelt ausgelöst.

Chancen und Risiken der Industrie 4.0 für KMU

Studienergebnisse, etwa eine Untersuchung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) aus dem Jahr 2015, zeigen das Potenzial, das in diesem umwälzenden Veränderungsprozess steckt – auch für KMU. Bis 2020 rechnen die Forscher mit einem Wachstum von 153,5 Milliarden Euro. Allerdings macht die Studie auch deutlich, dass gerade KMU momentan noch recht verhalten auf diese Entwicklung reagieren. Im Folgenden findest du die wichtigsten Vorteile, die eine Umstellung auf intelligent vernetzte Systeme verspricht:

  • effizientere Nutzung von Ressourcen
  • stärkere Individualisierbarkeit von Produkten
  • höhere Produktivität
  • bessere Umweltverträglichkeit
  • erbesserte Arbeitsbedingungen

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sehen sich dabei mit Herausforderungen konfrontiert. Da wäre zunächst ein relativ großes Informationsdefizit. Oft wissen sie zu wenig darüber, welche Möglichkeiten zur Vernetzung ihrer Prozesskette haben. Manche Unternehmen nutzen bereits die Chancen von Digitalisierung und Industrie 4.0, der Großteil hat jedoch noch Nachholbedarf. Hohe Investitionskosten für die neuen Technologien sind ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Industrie 4.0. Darüber hinaus stellt sich für KMU auch die Frage der Datensicherheit und ob sie die notwendigen Kompetenzen aufbauen können, um komplexe Netzwerke zu betreiben. Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung der Industrie 4.0 sind schließlich auch einheitliche Standards, die bislang noch nicht flächendeckend existieren.

Wie KMU sich auf die Digitalisierung einstellen können

Insgesamt, so meinen die Forscher des BMWi, ist die deutsche Wirtschaft jedoch gut aufgestellt. Insbesondere in Schlüsselsektoren wie der Robotik, im Maschinenbau, der Sensorik und der Logistik könnten heimische Unternehmen ihre Spitzenposition halten oder gar weiter ausbauen. Vor allem Großunternehmen produzieren bereits mit viel Kapital große Stückzahlen ihrer Produkte. Bei KMU ist der Anteil der bereits digitalisierten Firmen noch geringer, was auch an ihrer größeren Spezialisierung liegt. Um jedoch auch in Zukunft international wettbewerbsfähig zu sein, brauchen diese Betriebe eine geeignete Digitalstrategie.

Mittelständische Unternehmen besitzen zudem oftmals Maschinen und IT-Systeme verschiedener Hersteller und auf einem unterschiedlichen technischen Stand. Wollen sie etwa die Automatisierungssoftware aufrüsten, ist dies zunächst mit relativ hohen Kosten verbunden. Davor schrecken viele Firmen zurück – besonders dann, wenn sie keine eigene IT-Abteilung haben. So können manche Geschäftsführer schlicht nicht mit Gewissheit entscheiden, welches System das beste für sie ist.

Dennoch sind insbesondere die Führungskräfte gefordert, rechtzeitig die Rahmenbedingungen für die Industrie 4.0 zu schaffen. Dazu gehört es auch, die Mitarbeiter zu schulen und regelmäßig weiterzubilden. Im deutschen Mittelstand erhalten die Angestellten im europäischen Vergleich zwar vergleichsweise oft Weiterbildungen in IT-Systemen. Allerdings sollte die Geschäftsführung die Industrie 4.0 nicht allein aus technologischer Sicht betrachten, sondern als umfassende organisatorische Innovation verstehen. Dies stellt auch an die Mitarbeiter neue Anforderungen in puncto Selbstverantwortung und -organisation. Schließlich müssen sie in der Lage sein, den Produktionsprozess kontinuierlich zu reflektieren und zu Verbesserungen beizutragen.

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Erfahre jetzt anhand von Beispielen, wie Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sich dieser Entwicklung stellen.