Geistesblitze sind kein Zufall – mit Design Sprints

Paul Hofmann
05.12.2017

Das deutsche Wohnzimmer verabschiedet einen Klassiker: Carl Spitzwegs Der arme Poet.

Der einsame Kreative, der einsam nach einer Idee sucht, die er dann, tiefnachts, in einem radikalen Heureka-Moment aus jenseitigen Sphären empfängt. Spitzwegs Bild steht repräsentativ für unser Verständnis von Ideenfindung. Der arme Poet gehört nicht grundlos zu den beliebtesten Bildern der Deutschen: Ideen, Schöpfung, Innovation stehen unter Genieverdacht.

Carl Spitzweg Der arme Poet
Unter Genieverdacht: "Der arme Poet" von Carl Spitzweg (CC wikimedia)


Genie mag für viele Einfälle verantwortlich sein. Seit geraumer Zeit schickt sich allerdings eine Innovationstechnik an, diese Vorstellung endgültig zu überholen: der Design Sprint. Ein Design Sprint ist eine fest Abfolge von Techniken und Prozessen, mit denen innerhalb kürzester Zeit neue Produkte oder Features erarbeitet und getestet werden können.

Visualisieren, Auseinandernehmen, Zusammensetzen: Designer haben Talent und Werkzeug, Zusammenhänge zu erkennen, sichtbar und nachvollziehbar zu machen


Nur: Woher der Begriff Design?

Visualisieren, Sachen auseinandernehmen und wieder zusammensetzen – Designer haben das Talent und die Werkzeuge, um Zusammenhänge nicht nur schnell zu erkennen, sondern sie vor allem sichtbar und damit nachvollziehbar zu machen. Diese Fähigkeit dient dazu, Prozesse abzubilden und sie in die Zukunft weiterzudenken.

Wir können also Ideen nicht nur generieren, sondern auch auf ihre Umsetzung planen.

Mit Desing Sprints gilt das für nahezu jeden Innovationsprozess. Ursprünglich für Produktentwicklung angedacht, variiert die Anwendung mittlerweile je nach Wunsch und Vision des Auftraggebers. Zwischen internen Herausforderungen wie Workflows, Kommunikation oder Teamstruktur bis zu externen wie Nutzerortientierung oder kompletter Überarbeitung des Produkts.


"Mit Design Sprints wird das Potenzial direkt getestet und man investiert nicht lange Zeit und Geld in unbrauchbare Produkte"


Der Vorteil: Im Design Sprint lassen sich Projekte zugleich schnell und tief umsetzen.„Der Design Sprint-Prozess ist die moderne Art, schnell Produkte zu entwickeln und Lösungen zu finden", sagt Nicolas Dittberner, Head of Europe von Udacity. "Er hilft Erfindern, Start-ups und auch Konzernen großartige Ideen direkt umzusetzen. So wird das Potenzial direkt getestet und man investiert nicht lange Zeit und Geld in unbrauchbare Produkte."


Carl Spitzweg Der arme Poet mit Design Thinking
Unter Innovationsverdacht: Spitzwegs "Armer Poet" in der Udacity-Ausgabe

In unserem neuen Nanodegree-Programm lernt ihr, warum der Design Sprint so effektiv und so grundlegend für den Erfolg weltweiter Unternehmen ist. Ihr lernt den Ablauf und die verschiedenen Funktionen im Sprint kennen, anhand eines fiktiven Unternehmens spielt ihr alle vier Phasen in Projekten durch: Konzeption, Storyboard, Prototyping und Test.


Das Konzept

Das fiktive Unternehmen Ooup steht vor einer Herausforderung. Du trägst – als Mitglied des Design Sprint-Teams – mögliche Lösungsansätze zusammen, illustrierst sie in einer comicähnlichen Darstellung und stellt sie vor.

Konzepte schreiben alle. Was macht ein Design Sprint-Konzept aus? Der Design Sprint-Prozess denkt nicht zuerst in existenten Produkten (Was haben wir?) oder potenziellen Lösungen (Was können wir?), sondern in Bedürfnissen (Was brauchen die Nutzer?). Ideen werden nicht gleich bewertet und vorschnell verworfen, sondern in Form von Bildern oder Dingen anfassbar gemacht.

Design Thinking kündet von einer Zeit, der es nicht um das Lösen von Problemen, sondern um das Finden neuer Lösungen geht. Es geht darum, die antrainierte Bedenkenträgerei und den Reflex "Ja, aber" abzulegen. (Die Renaissance des Design Thinkings zur Problemlösung ist genau genommen vielmehr die Renaissance von Tugenden wie Querdenken oder Courage zum Scheitern.)


Das Storyboard

Ooup hat sich für ein Konzept entschieden, du illustrierst einen Comicstreifen, wie Nutzer die Produktidee Schritt für Schritt wahrnehmen könnten.

Was ein Storyboard? Konzeptionelle Arbeit ist gasförmig. Sie füllt Volumen aus, sobald die verfügbar sind. Jeder kennt das: Man hat vier Wochen für ein Projekt, konzentriert und fokussiert sich also erst dann, wenn die Abgabe oder Veröffentlichung droht. Heißt etwa zwei Wochen, in denen man um das Problem herumtanzt. Das Storyboard überbrückt die Lücke zwischen Konzeption/Ideenfindung und Prototyping, es konzentriert den Innovationsprozess.


Der Prototyp

Der Prototyp basiert auf dem Storyboard und soll eine möglichst interaktive, realistische User Experience ermöglichen. Er kann mit Google Slides, Keynote, Powerpoint oder Designtools wie Figma erstellt werden.

Warum so früh zum Prototyp? Hirnforscher sagen, dass wir Dinge dann am besten begreifen, wenn wir sie anfassen können. Ein schnell hergestellter Entwurf, im Zweifel aus Papier, Pappe oder Knete, zeigt Stärken der Idee. Und viel wichtiger noch: ihre Schwächen. Die Design School auf dem Campus der Stanford Universität, an der Design Thinking gelehrt wird, ist etwa theoriefrei. Studierende arbeiten dort mit wirklichen Firmen an echten Problemen, um Lösungen geht es erst einmal gar nicht. Sondern darum, Menschen zu beobachten, um sie zu verstehen.


Das Testen

Finale! Das Gros der Arbeit ist getan, das Produkt skizziert. Nun analysierst du fiktives Nutzerfeedback (von uns) für einen Report, der Vorteile und Herausforderungen deines Prototypen sowie nächste Schritte für das Unternehmen zusammenfasst.

Warum Testen? Er validiert eure Idee. Desto früher potenzielle Nutzer mit der Idee in Form eines Prototypen konfrontiert werden, desto früher kannst du aus den Reaktionen lernen. Design Thinking stellt den Mensch in den Mittelpunkt. Heißt auch, dass man zuhören muss, was Nutzer sagen. Und dass man Gehörtes nicht in Konkurrenz zum eigenen Wissen stellen darf. Beides sollte aufeinander aufbauen.

Frühes Testen bedeutet oft frühes Scheitern, selten aber die Umsetzung mittelmäßiger Ideen, die ins Finanz- und Zeitkonto schlagen. So mancher Gründer hätte gerne früher im Innovationszyklus verstanden, dass niemand wollte, was er anbot.


Diese Phasen gehen zurück auf AJ&Smart. Die Designagentur aus Berlin hat den Prozess mehrfach überarbeitet und zu großen Erfolgen mit Branchenführern wie Lufthansa, Zalando, Red Bull oder N26 gebracht. Nun kooperiert AJ&Smart für dieses Programm mit Udacity.


*Design Sprints lernen – mit Jake Knapp, AJ&Smart und Udacity*

“Der Design Sprints ist unser Ideal von Arbeit: Keine Zeitverschwendung in endlosen Meetings, sondern effektiv und lehrreich Dinge erarbeiten, die echten Nutzern entsprechen und einen Mehrwert bieten", sagt Jake Knapp, Autor des Bestsellers Sprint. "Das ist optimal genutzte Zeit. Das ist ein Sprint."


Alle Infos zum Design Sprint Nanodegree-Programm