Autonomes Fahren in Deutschland: Status quo und Zukunftsvision

Nicolas Dittberner
Apr 6, 2017

Das Auto der Zukunft wird keinen Fahrer mehr brauchen. Die Hersteller entwickeln jährlich neue Lösungen und Technologien, um das autonome Fahren in Deutschland zur Marktreife zu bringen. Wie der aktuelle Stand der Technik ist und welche Herausforderungen noch auf die Unternehmen warten, zeigen wir dir in diesem Artikel.

Autonomes Fahren in Deutschland: Status Quo und Zukunftsvision

Visionen des gesellschaftlichen Wandels

Das selbstfahrende Auto ist eine logische Antwort auf den Wandel unserer Lebensweise. Bei zunehmender Urbanisierung werden Mobilität und Infrastruktur immer wichtiger. Robotertaxis würden Staus verhindern, Parkplatzprobleme lösen und das Feinstaubniveau in den Innenstädten senken. Die Stadt der Zukunft würde sicherer und lebenswerter werden. Bis diese Vision Realität wird, müssen die Hersteller noch Entwicklungsarbeit leisten.

In dem weltweit anerkannten fünfstufigen System – definiert unter anderem vom internationalen Verband für Automobilingenieure SAE – befinden wir uns heute zwischen Level 2 und 3. Das vollständig autonom fahrende Auto entspricht Level 5.:

  • Level 1: Erste Assistenzsysteme wie Tempomat und Abstandsregler unterstützen den Fahrer.
  • Level 2: Teilautomatisierte Fahrzeuge mit Einpark- und Spurhaltesystemen erleichtern das Autofahren.
  • Level 3: Hochautomatisierte Autos steuern das Fahrzeug größtenteils allein.
  • Level 4: Vollautomatisierte Fahrzeuge meistern auch Risikosituationen ohne menschliche Hilfe, sind jedoch auf bekannte Strecken begrenzt.
  • Level 5: Selbstfahrende Autos fahren vollständig autonom: auf jeder Straße und in allen Verkehrssituationen.

Datenübertragung als konkrete Herausforderung der Digitalisierung

In begrenzten Räumen, wie in der Landwirtschaft, Lagerhaltung oder dem Bergbau, sind bereits hoch- und vollautomatisierte Fahrzeuge im Einsatz. Damit in Zukunft auch der Straßenverkehr autonom ablaufen kann, bedarf es neuer Software, sensiblerer Sensoren für das Internet der Dinge und GPS-Module. Dieser Technologiesprung zieht neue Lösungen, Geschäftsmodelle und Jobs nach sich.

Dabei entstehen unterschiedliche Lösungsansätze. So fokussieren sich europäische Firmen – nach einer Studie von Roland Berger – vorwiegend auf den Funkstandard 5G zur Datenübermittlung zwischen den Fahrzeugen. Amerikanische Firmen verwenden jedoch verstärkt Nahfeld-Kommunikationstechnologien auf WLAN-Basis, die beispielsweise über Ampeln oder Straßenlaternen Informationen übermitteln. Von diesen Schlüsseltechnologien hängt viel ab: Nur durch gute Vernetzung und schnelle Datenübertragung erhalten die Autos genaue Straßenkarten und Bewegungsinformationen, die das autonome Fahrzeug überhaupt ermöglichen.

Autonomes Fahren in Deutschland: Status Quo

Nach der Studie von Roland Berger ist Deutschland bei selbstfahrenden Autos weltweit führend – vor allem bei Entwicklungsstand und Verfügbarkeit. Zahlreiche Assistenzsysteme sind hoch entwickelt und werden besonders in Premium-Modellen häufig verbaut. Die Gesetzeslage – Deutschland hat die sogenannte Wiener Konvention ratifiziert – bremst den Einsatz einzelner Technologien jedoch aus. Die USA liegen bei Marktreife und Forschung leicht vor Deutschland: Neben privaten Teststrecken sind hochautomatisierte Funktionen teilweise auch auf öffentlichen Straßen zu Testzwecken erlaubt und der Markt entsprechend größer.

Experten gehen davon aus, dass etwa im Jahr 2025 die ersten selbstfahrenden Autos nach Level 5 serienreif sein werden. Aktuell arbeiten die Hersteller an folgenden Projekten:

  • BMW will 2017 für das Projekt iNext rund 40 Autos der 7er-Baureihe halb- und vollautomatisch fahren lassen. 2021 rechnen die Bayern mit der Serienproduktion und kooperieren dafür mit dem Chip-Hersteller Intel.
  • Daimler entwickelt mit dem Future Truck das autonome Fahren für LKWs weiter und zeigt mit der Studie Mercedes Benz F 015, wie das selbstfahrende Auto der Zukunft aussehen könnte.
  • VW möchte den elektrischen I.D. ab 2025 autonom fahren lassen und für 30.000 Euro auf den Markt bringen.
  • Audi arbeitet eng mit den IT-Spezialisten von Nvidia zusammen und plant für 2020 den ersten Audi, der fahrerlos durch unsere Städte fährt.

Neben den deutschen Autobauern sind amerikanische Unternehmen wie Tesla und Google die Vorreiter der Branche. Mitentscheidend dafür ist auch die Forschung von Udacity-Gründer und Robotik-Experte Sebastian Thrun: als Mitgründer von Google X war er verantwortlich für das Autonomous-Car-Programm von Google. Seit er 2005 als Professor der Stanford Universität als erster einem Auto das Fahren ohne menschlichen Fahrer beibrachte, gilt er vielen als Vordenker auf diesem Gebiet. Heute legen die Modelle von Google – mittlerweile unter der Marke Waymo bekannt – auf internen Teststrecken tausende Meilen pro Woche zurück. Tesla verbaut seit 2016 Hardware in seinen Autos, die für das autonome Fahren notwendig sind. Ein Update der Software soll künftig den Fahrer überflüssig machen können. Dass die Technik weitgehend ausgereift ist, zeigte das Unternehmen bereits mit einer Testfahrt im regulären Verkehr:

Tesla SDC Test Drive

Von der Entwicklung neuer Technologien profitieren alle. Wenn ein vom Computer gesteuertes Auto einen Fehler macht, lernen alle anderen Autos davon – und machen ihn nie wieder. Die Vision von Sebastian Thrun klingt mehr als wünschenswert: Dank Computer werden Verkehrsunfälle, Staus und Parkplatzsuche endgültig der Vergangenheit angehören.

Mit dem Wandel unserer Mobilität ändern sich auch die Jobs der Zukunft. Marktforscher rechnen bis 2025 mit etwa 100.000 neuen Arbeitsplätzen im Bereich des autonomen Fahrens. Bereite dich schon jetzt darauf vor und lerne alles über Robotik, Machine Learning und künstliche Intelligenz in unserem Nanodegree-Programm Self-Driving Car Engineer.