Träumen mit offenen Augen! Udacity zeigt euch ARKit

Paul Hofmann
Oct 4, 2017


"Wenn jemand zu uns kommt und uns erzählt, auf dem Mond wachsen Erdbeeren, beginnen wir sofort, ihn davon zu überzeugen, dass dies doch nicht möglich sei, anstatt uns zu fragen, warum ihm solch Absonderliches einfiele, unsere Aufmerksamkeit zu erlangen."

– Sigmund Freud


Pokémon Go macht es vor: Künftig drängt nicht mehr nur der Mensch in die Welt des Rechners, der berechnete Raum kolonisiert auch unsere Lebenswelt. Diese relativ junge Vorstufe der virtuellen Realität wird Augmented Reality genannt. Oder kurz: AR.

AR bezeichnet die computerunterstützte Erweiterung der Wahrnehmung. Über ein Display werden virtuelle Datenströme in Echtzeit auf die Realumgebung projiziert. Allein der Begriff (vom lateinischen augmentare, "vermehren" oder "fördern") deutet an, was von diesem Realitäts-Einbruch zu halten ist: viel. Der reale Ort wird im wahrsten Sinne angereichert, gewinnt in seinen virtuellen Erweiterungen an Wert.


*ARKit vermag allerhand Erstaunliches, auch virtuelles Vermessen*

Seit der Vorstellung des Walkman im Jahr 1979 ist es möglich, aufgezeichnete Klänge an fast jedem Ort auf Abruf zu hören. Seither werden auch Podcasts und Audioguides unterwegs gehört. Mit dem Smartphone und seiner umfassenden Sensorik, insbesondere der GPS-Ortung, ergeben sich wiederum neue Möglichkeiten für die Medienwiedergabe.


Zwischen Spielerei und Zweck


Seit der Vorstellung der Entwicklerplattform ARKit können Entwickler neue Spiele wie Zombie-Apokalypsen, aber natürlich auch nützliche Anwendungen programmieren, die fortführen, was Pokémon Go im vergangenen Jahr losgetreten hat.

In unserem neuen Programm lernt ihr ARKit kennen - mit dem VR-Big Player Unity oder der Game Engine Swift. Ein Monat genügt, um die Realität nach euren Wünschen zu erweitern – einen einfacheren Zugang zur kreativen Ausgestaltung der Realität werdet ihr in einer alternativen Realität suchen müssen.

Auch wenn sich die AR-Möglichkeiten in der Theorie toll anhören: Ob das Verschmelzen von realer und virtueller Welt zum Ereignis oder überhaupt zu einem Vorteil wird, entscheidet letztlich jede einzelne Anwendungen. Nachfolgend einige Szenarien nutzbringender AR-Apps in ...


... Navigation und Alltag

Stellen wir uns eine exemplarische Stadt im Oktober 2020 vor. Ihr wollt einen Kaffee trinken.

In einem Radius von 500 Metern sind vier Cafés, von dem nur eines euren Fair Trade Kaffee anbietet. Pfeile auf der Innenseite eurer Brillengläser weisen den Weg, sie scheinen über dem Fußgängerweg zu schweben. Auf der linken Seite des Blickfelds zählt ein Counter die verbleibenden Meter bis zum Café herunter, die rechte blendet Informationen zum Stadtbild ein. Interessant, dass auf der Hugh-Hefner-Platz früher ein Stadtpark war. (In Salzburg etwa werden Geopositionen im AR-Browser Wikitude von Freiwilligen um entsprechende Wikipedia-Artikel angereichert.) Vereinzelte Symbole zeigen an, was ihr parallel erledigen wolltet – und wo ihr es erledigen könnt.


... Logistik, Produktion und Service

Stellt euch 105.000 Quadratmeter vor, gefüllt mit riesigen Industrieanlagen, die es zu verkaufen gilt. Die Stuttgarter AMB Messe für Metallverarbeitung ist für Aussteller eine logistische und finanzielle Belastung.

Eine Lösung wäre die Augmented AMB: Das Tech-Unternehmen Trumpf setzt auf eine Applikation, die das Sortiment zumindest teilweise virtuell ausstellt. Und es interaktiv nutzbar macht. Etwa für künftige Abnehmer, die die Anlage massstabsgetreu in ihrer Produk­tionsanlage visualisieren und den Platzbedarf sowie notwendigen Anschlüsse evaluieren wollen.


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Das nutzt nicht nur zu Planungs-, sondern auch zu Wartungszwecken: Remote AR etwa ermöglicht den Besuch des Experten, ohne dass dieser sein Büro verlassen muss. Mittels Tablet oder AR-Brille startet der Mitarbeiter an der Maschine die Bildübertragung an den externen Experten, der die Fehlerbehebung interaktiv anweisen kann. Notizen, Zeichnungen oder Blueprints können dem Mitarbeiter augmented auf seinen Screen gespielt werden und ermöglichen es ihm, die Schritte besser nachzuvollziehen.

Airbus setzt bei der Montage der Kabinen des A330 bereits seit 2015 AR-Brillen ein. Sie helfen den Mitarbeitern beim präzisen Einbau und reduzierten die Einbauzeit laut Firmenangaben auf ein Sechstel.

Um den Bogen zur AMB zu schließen: Für große Lagerhallen werden bereits AR-Brillen getestet, die Mitarbeiter in Echtzeit per Lageplan alle notwendigen Informationen über die bestmöglichen nächsten Arbeitsschritte liefern. Textuell oder visuell, je nach Vorliebe und Sicherheitsaspekt – Realitätserweiterungen können ja auch ablenken. Durch ein kombiniertes System aus Sensoren und Kameras lässt sich so künftig auch die Anhängerbeladung optimieren.


... Architektur und Design

Die Möglichkeiten baulicher Visualisierung verdeutlichen, dass AR längst keine Ingenieursspielerei mehr ist. Zum Beispiel die App IKEA Place, die aus dem gedruckten Ikea-Katalog heraus Sessel, Sofas oder Tische in die eigene Wohnung zaubert.


*Virtuelles Einrichten mit IKEA Place*


Eine Nummer größer gedacht lässt sich AR natürlich auch für Architektur einsetzen.


... Lehre

Vor drei Jahren nutzten Chirurgen in Indiana erstmals Datenbrillen bei der Entfernung eines Magentumors. HMDs (Head Mounted Displays) sind die Werkzeuge der Zukunft bei riskanten Operationen, die Präzision auf kleinstem Raum verlangen. Der Operateur kann Liveaufnahmen etwa eines Endoskops und die Vitalwerte des Patienten betrachten, ohne sich einem Monitor zuwenden zu müssen. Sprachgesteuerte Geräte halten überdies die Hände während der gesamten Operation frei.


... Eventszene

Ein Punkt, bei dem einem natürlich sofort mögliche Visualisierungen oder Hologramme einfallen, die die Bühne erweitern – wie es die Gorillaz gern tun.

Bei großen Veranstaltungen könnten aber auch Sicherheitsdienste auf AR zurückgreifen, um über HMDs Besucherströme zu überwachen, Brennpunkte zu ermitteln und die eigene Crew zu lokalisieren. Unternehmen könnten ihre Mitarbeiter auch in riesigen Menschenmassen dorthin leiten, wo sie gebraucht werden.


Trotz solch praktischer und nutzbringender Beispiele befindet sich AR noch immer in den Kinderschuhen. Es gibt – wie bei neuen Technologien naturgemäß – etliche Herausforderungen zu meistern.
Mit unserem ARKit Programm geht ihr sie an. In einem Monat lernt ihr alles, was ihr über die AR-Programmierung mit Swift oder Unity wissen müsst. Ein Monat genügt, damit ihr die Realität erweitern könnt!




Foto: sndrv via Foter.com / CC BY