Apps, die das Leben erleichtern: Udacity-Absolventin Parto Karwat im Interview

Leah Wiedenmann
May 24, 2017

Android-Apps entwickeln, die das Leben leichter machen: Udacity-Absolventin Parto Karwat im Interview

“Informatik ist mein Ding”, das bemerkte Parto schon während ihres Studiums in Paris. Die 26-jährige Kielerin ist die Gewinnerin eines von 100 weltweit hart umkämpften Google & Udacity Stipendien. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als selbstständige Android-Entwicklerin. Ab Juli 2017 wird ihre Abschluss-App des Android Developer Nanodegree-Programms unter dem Namen “Saness” im Google PlayStore zu finden sein.

Udacity: Hallo Parto, schön, dass du uns für ein Interview bereit stehst. Du hast eines der begehrten Udacity-Stipendien gewonnen. Wie hast du das geschafft?

Parto Karwat: Ich habe an mich geglaubt! An einem Mittwoch Ende Juni 2016 landete eine E-Mail in meinem Posteingang, in der stand: “You’re in luck. We have 50 more Android scholarships!” Da wurde ich neugierig und sah, dass im Leaderboard erst 20 von 100 Plätzen belegt waren.

U: Wie ging es dann weiter?

PK: Einen Platz sollte erhalten, wer das Android Basics Nanodegree-Programm schafft. Dafür musste man Lehrvideos anschauen, verschiedene Quizformate absolvieren und 10 Android Apps bauen, die die Qualitätskontrolle bestehen. Dieser sportliche Aspekt gefiel mir richtig gut, ich habe sofort losgelegt. Und im Slack-Channel des Wettbewerbs fand ich viele Android-begeisterte Gleichgesinnte. Erst habe ich versucht, das Ganze nebenher zu bewerkstelligen. Aber am Samstag waren schon weitere Plätze belegt und mein Name leider noch nirgends zu sehen. Dann hat mich der Ehrgeiz so richtig gepackt und ich habe meine gesamte Zeit Udacity gewidmet. Von Sonntag auf Montag erschien mein Name dann im Leaderboard und am Dienstag konnte ich mir einen der begehrten 100 Plätze sichern.

Android-App Screenshots

U: Wie kamst du denn eigentlich zur Informatik?

PK: Ich war immer ganz gut in Mathe, aber wollte auf gar keinen Fall wie unsere Mathelehrerin werden. Nach der Schule habe ich dann ein Studium der Technomathematik in Paris begonnen. Neben Algebra, Optik und Elektrotechnik hatten wir dort auch Informatik-Module. Das Programmieren-Modul fand ich einfach und an einem Wochenende habe ich die Übungsaufgaben für das ganze Semester gelöst. Dem Dozenten sind dann fast die Augen aus dem Kopf gefallen und er hat gesagt: „Das ist unglaublich. Das habe ich noch nie erlebt.” Offensichtlich ist Informatik mein Ding.

U: Ich vermute, die Informatik ist eine stark männlich dominierte Branche. Wie ist es für dich, als Frau in diesem Feld?

PK: Viel gravierender als das Mann-Frau-Verhältnis finde ich das Verhältnis von Nerds zu “normalen” Menschen. Unter Informatikern gilt es als Kompliment, wenn man jemandem sagt, wie nerdig man den anderen findet. Als ich das erste Mal „Ich finde dich auch recht nerdig” gehört habe, war das für mich ein Schock. Dass die Bezeichnung „Nerd” ein Kompliment sein kann, musste ich erst einmal lernen. Ansonsten finde ich es äußerst sympathisch, dass Männer im Arbeitskontext meist sehr direkt sind. Da können wir Frauen uns noch etwas von abschauen.

U: Was würdest du Frauen ans Herz legen, die in die Informatik gehen wollen?

PK: Was man nicht kann, kann man lernen.

U: Wieso hast du dich neben deinem Informatik-Studium zu einer ergänzenden Online-Weiterbildung entschieden?

PK: Mein Eindruck ist, dass sich einige deutsche Unis schwer tun, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten – vor allem in der Informatik. Das mag im Grundstudium egal sein, aber wenn man sich spezialisieren möchte, empfinde ich das als Bremse. Online-Angebote sind in diesem Punkt häufig schneller und moderner. Ich sehe großes Potenzial für hochwertige Kurse, die auf ein breites Publikum ausgerichtet sind.

U: Was macht Udacity für dich besonders?

PK: Die Kursstruktur – kurze Lehrvideos im Wechsel mit kleinen Quizzes – macht das Lernen sehr leicht. Außerdem ist Android zum Beispiel ein Google-Produkt. Und wer könnte einem eine Technik besser erklären als der Erfinder selbst?

U: Was waren für dich die größten Vor- und Nachteile des Online-Lernens?

PK: Online-Bildung ermöglicht ein individuelleres Lernen als das traditionelle Lernen an der Uni. Zum Beispiel höre ich Lehrvideos am liebsten in 1,25-facher Geschwindigkeit. In der Vorlesung eines Professors gibt es leider keine Schnellsprech-Einstellung. (lacht) Das Lernangebot ist zudem rund um die Uhr verfügbar. Das ist einerseits toll, andererseits besteht die Gefahr, dass man sich auch mal festbeißt und keine richtigen Pausen macht. Und obwohl die Lerninhalte optimal aufbereitet sind, ist das Lernen am Rechner schon anders als die Atmosphäre im Hörsaal mit vielen Kommilitonen.

U: Warum hast du dich auf Android spezialisiert?

PK: In einem Praxisprojekt an der Uni sollten wir eine Android App entwickeln, die reisefreudigen Uni-Mitarbeitern die lästige Reisekostenabrechnung abnimmt. Ich fand das Android-Framework damals total holprig, aber mir hat es richtig Freude bereitet zu sehen, wie wir mit unserem Tool anderen das Leben angenehmer machen konnten. Das war 2013 und seitdem habe ich die Entwicklung von Android mit Interesse verfolgt.

Vor allem die Einführung von Material, Design und der neue Emulator seit Android Studio 2.0 sind eine echte Verbesserung für die Benutzer, aber auch für die Entwickler. Ich finde es faszinierend, wie Google es geschafft hat, innerhalb von vier Jahren aus einem Betriebssystem mit einer User Experience von Windows 95 das aus meiner Sicht benutzer- und entwicklerfreundlichste mobile Betriebssystem zu machen.

U: Wie geht es weiter für dich?

PK: Seit Februar pflege ich meine eigene Website unter www.partokarwat.com und momentan schreibe ich meine erste komplett selbst konzipierte und designte Android App „Saness”. Darüber hinaus stehe ich für die Entwicklung interessanter Android-Projekte zur Verfügung. Ich werde mich auch bei Udacity Blitz registrieren, dem Career Center von Udacity.

U: Hast du einen Tipp, den du zukünftigen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern mit an die Hand geben kannst?

PK: Bleib neugierig, und wenn du bei einem Quiz ins Stocken gerätst, schau in das Lösungsvideo. Springe dann zurück zum Quiz und versuche das, was du verstanden hast, zu wiederholen. Dadurch löst du das Quiz und erwirbst neue Fähigkeiten. Und dann freu dich über deinen Erfolg!

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